Dienstag, 2. Februar 2016

Globale Vermögenskonzentration in den Krisenjahren 2008-2015 (Teil 2): Die Notenbanken, das Finanzmarktcasino und die Reichsten



George Soros macht mit einer neuen Währungswette von sich reden. (1) Dieses Mal setzt er auf eine Abwertung des chinesischen Yuan. Aber er ist nicht allein damit. Eine ganze Reihe von Hedgefonds soll den Yuan ebenfalls „geshortet“ haben. (2) Doch Soros wettet zugleich auch auf einen Einbruch des amerikanischen Aktienmarktes.
Für die Privatvermögen in den USA und China, die – wie in Teil 1 festgestellt – die großen Gewinner der Krisenjahre 2008-2015 waren, sind das potenziell äußerst schlechte Nachrichten. Denn gehen die Wetten auf, dann dürfte das gleichbedeutend mit einem schweren Schlag insbesondere für die Privatvermögen in China und in den USA sein. Wie gewonnen, so zerronnen – das wäre dann aber beinahe noch eine gute Nachricht. Denn ein großer Absturz der beiden größten Volkswirtschaften der Welt oder zumindest von deren Börsen könnte die Privatvermögen durchaus weit unter das Krisenniveau von 2008/2009 abschmelzen.
Es lohnt deswegen ein Blick darauf, wie sich in den Top-10-Ländern das finanzielle Privatvermögen, untergliedert nach Anlageklassen sowie das nicht-finanzielle Privatvermögen und die privaten Schulden im Zeitraum 2008-2015 entwickelt haben oder mit anderen Worten, wo eigentlich wie viel auf dem Spiel steht.

Samstag, 30. Januar 2016

Globale Vermögenskonzentration in den Krisenjahren 2008-2015 (Teil 1): USA und China sind die großen Krisengewinner



Die Jahre seit 2008 bis heute sind gekennzeichnet durch eine Reihe verschiedener Krisen. Der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise folgte die Staatsschulden- und Euro-Krise sowie die Ukraine-Krise, die sich letztlich bedingt durch die Sanktionsspirale zu einer Russland-Krise auswuchs. Und während die Europäische Union noch immer mit der Bewältigung der Flüchtlingskrise beschäftigt ist, hat der Ölpreisverfall den Energiesektor und insbesondere auch jene Staaten in die Krise gestürzt, die in hohem Maße von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft abhängig sind. Davon betroffen ist unter anderem Russland. Die vorläufig letzte krisenhafte Zuspitzung ergibt sich aus der abkühlenden Wirtschaft in China, der Abwertung des Yuan und den dortigen Börsenturbulenzen, weil diese Entwicklungen mehr und mehr die ohnehin angeschlagenen Schwellenländer belasten.
Kurz gesagt: Die Jahre 2008-2015 sind Krisenjahre und sie treffen die Volkswirtschaften rund um den Globus in unterschiedlichem Ausmaß mit der Konsequenz einer sich insgesamt abkühlenden globalen Wirtschaft. Gerade auch deswegen ist die Nervosität und Volatilität an den Börsen gestiegen.
Nichts desto trotz sind die Jahre 2008-2015 auch Jahre, in denen das globale Privatvermögen sukzessive, insgesamt aber sogar beträchtlich weiter gewachsen und die Vermögenskonzentration weiter angestiegen ist. Die klassische These der herrschenden neoklassischen Wirtschaftslehre, dass Märkte von sich aus immer wieder ins Gleichgewicht streben und deswegen keine dauerhaften Ungleichgewichte entstehen können, wird von der Realität der letzten Dekade nicht bestätigt. Die Ungleichgewichte haben sich im Zuge der Krisenjahre auf allen Ebenen vergrößert und das gilt ebenso für die Ebene der letzten Profiteure, nämlich für die die Vermögenden.

Freitag, 22. Januar 2016

Crash oder kein Crash? Die Systemkrise der globalen Wirtschaft in einem Chart



Die anhaltend niedrige Inflation im Euroraum, verstärkte Abwärtsrisiken für die Konjunktur und hohe Volatilität der Märkte sowie die jüngsten Aussagen von Mario Draghi deuten darauf hin, dass die EZB ihre Geldpolitik im März weiter lockern wird. (1) Eine weitere Lockerung wird auch von der Bank of Japan erwartet und das chinesische Pendant, die Peoples Bank of China (PBOC), hat schon die dritte Woche in Folge Milliarden in die chinesischen Finanzmärkte gepumpt. Allein diese Woche waren es 48 Milliarden Dollar – der höchste Betrag seit Januar 2014. (2)
Angesichts der Börsenturbulenzen und der voraussichtlichen Abschwächung des Wachstums in den USA rechnen inzwischen auch eine wachsende Zahl von Experten damit, dass die Fed dazu gezwungen sein könnte, die im Dezember beschlossene Zinserhöhung rückgängig zu machen.
All das hat die Märkte gestern und heute in Schwung gebracht. Der wieder auf deutlich über 30 Dollar je Barrel gestiegene Ölpreis hat ebenfalls zur Beruhigung an den Börsenplätzen rund um den Globus beigetragen.

Montag, 11. Januar 2016

Die Chinakrise oder die Angst vor dem nächsten großen Crash - eine Analyse



Auch heute, am ersten Handelstag der neuen Woche, sind in China die Börsenkurse wieder eingebrochen. Der Shanghai Composite verlor 5,33 Prozent, der CSI 500 gab sogar 6,72 Prozent nach und auch in Hongkong rutschte der Hang Seng mit 2,76 Prozent tief ins Minus. Die Krisengefahr in China ist nicht gebannt und das Regime in Peking erweckt nicht den Eindruck, diese Gefahr ausräumen und die Märkte beruhigen zu können.

Die Sorge um China ist die Sorge um die tatsächliche Robustheit der westlichen Marktwirtschaften

Dabei richten sich die Sorgen der Anleger an den weltweiten Börsen weniger auf die chinesischen Aktien als vielmehr auf die sich weiter eintrübenden wirtschaftlichen Perspektiven in China. Was die hohe Unsicherheit noch weiter verstärkt, ist die Informationspolitik der Führung in Peking. Unter dem Präsidenten Xi Jinping wurde die Zensur in China sukzessive drastisch verschärft und dadurch bedingt die tatsächlichen Probleme sowie vor allem deren Ausmaß verschleiert. Was sehr viele inzwischen befürchten, ist, dass es um die chinesische Wirtschaft sehr viel schlechter steht als offiziell zugegeben wird und nun die enorme Nachfrage Chinas, die in den letzten Jahren die Weltwirtschaft und insbesondere auch die Schwellenländer stabilisiert hat, dauerhaft verloren gehen könnte.
Vielleicht könnte man es sogar noch etwas pointierter ausdrücken: Chinas Krise enthüllt eigentlich nur die Krise, in der die ganzen westlichen Marktwirtschaften schon seit spätestens 2008 stecken.

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Das war 2015: Polens neue Regierung zertrümmert die letzten Fantasien vom einigen und starken Europa



Bei den Parlamentswahlen am 25. Oktober haben die Polen die regierende liberale Partei „Bürgerplattform“ (PO) und damit auch deren austeritätspolitischen Kurs abgewählt und die nationalkonservative Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) von Jaroslaw Kaczynski mit der absoluten Mehrheit (235 der 460 Sitze) ausgestattet. (1) Keine Frage, diese absolute Mehrheit hat die PiS genutzt. Allerdings in einer Weise, die die Bevölkerung zu Massenprotesten auf die Straße trieb (2) und die Europäischen Union schockierte (3).
Führungspositionen im öffentlichen Sektor, etwa bei der Polizei und den Geheimdiensten sowie in Staatskonzernen, wurden rasch neu besetzt. (4) Auch ein NATO-Spionagezentrum wurde gestürmt, dessen polnischer Leiter ausgetauscht. (5) Und das war erst der Anfang. Mit einem neuen Gesetz über den Staatsdienst sollen laut Medienberichten (6) die Ausschreibung und der offene Wettbewerb bei der Besetzung von Führungspositionen abgeschafft und durch politische Ernennungen ersetzt werden. Alle bisherigen Behördenleiter sollen 30 Tage nach Inkrafttreten des Gesetzes abgelöst werden. In Kraft getreten ist bereits ein Gesetz, welches das Verfassungsgericht entmachtet (7) und ebenso wie die Medien (8) unter die Kontrolle der neuen Regierung bringt. Die PiS baut die Demokratie zurück und nicht nur das.
Keine Frage, die neue polnische Regierung schert sich auch nicht mehr um das, was für die Europäische Union vereinbart wurde. Was in Brüssel für Europa geplant und beschlossen wird, scheint ihr gleichgültig zu sein – und Brüssel schaut konsterniert und letztlich machtlos zu.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Kritik an der deutschen Dominanz: Spaltet Angela Merkel Europa?



Ist Ihnen das auch aufgefallen? Ungewöhnlich wortkarg haben Presse und Medien in Deutschland dieses Mal über die Resultate des EU-Flüchtlingsgipfels berichtet.

Der EU-Flüchtlingsgipfel: Ein schwerer Schlag für die Bundesregierung

Genau genommen gab es bei Gipfeltreffen am 17. und 18. Dezember natürlich auch gar keine konkreten Resultate (1) – nicht nur was die Frage der Bewältigung der Flüchtlingskrise anbelangt. (2) Dabei hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch kurz zuvor in ihrer Regierungserklärung im Bundestag vor einem Rückfall Europas in die Nationalstaaterei gewarnt (3) und damit an die (unwilligen) Staats- und Regierungschefs der EU appelliert, in der Flüchtlingsfrage Solidarität zu zeigen und sich endlich auf einen gemeinsamen Plan zu einigen.
Anton Hofreiter (Die Grünen) erinnerte daraufhin im Bundestag daran, dass die Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren den Staaten an den EU-Außengrenzen Solidarität bei der Aufnahme von Flüchtlingen verweigert habe. "Jetzt verweigern uns die anderen die Solidarität", sagte Hofreiter. (4)

Montag, 21. Dezember 2015

Spanien hat gewählt – Regierungsbildung nahezu unmöglich



Nach Auszählung von 99,86% Stimmen (Stand: 00:50 Uhr) steht fest:
Spaniens neues Parlament wird künftig von vier Parteien dominiert werden; keine hat die absolute Mehrheit; die Chancen für die erfolgreiche Bildung einer Koalitionsregierung sind gering.

Das Ergebnis der Parlamentswahlen

Die bisher allein regierende konservative Regierungspartei Partido Popular (PP) wird 123 Abgeordnete im Parlament stellen, die Sozialisten (PSOE) 90, die Linkspartei Podemos kommt auf 69 Sitze und die sozialliberale Partei Ciudadanos erhält 40 Mandate. (1)
176 der 350 Sitze sind die Marke für eine regierungsfähige Mehrheit in Spanien. Es ist folglich klar, dass es nur eine Koalitionsregierung geben kann, aber diese zu bilden, das dürfte ausgesprochen schwierig werden.