Die Mindestlohn-Debatte ist in vollem
Gange. Wieder einmal wird in der Politik heftig gestritten. Natürlich geht es angesichts
der bevorstehenden Bundestagswahl darum, die Bürger von der eigenen
Lösungskompetenz für das Problem, für das der Mindestlohn die richtige oder
eben falsche Antwort sein soll, zu überzeugen.
Für die Gegner sind Mindestlöhne pointiert
ausgedrückt Gift für die freie Marktwirtschaft und kontraproduktiv. Für die
Befürworter ist der freie Markt heute kein Garant für faire Löhne, so dass der
Staat hier gefordert ist, eine Grenze einzuziehen.
Tatsache ist, dass die Zahl der
Erwerbslosen in den letzten Jahren kontinuierlich und deutlich (von über 4,5
Millionen) gesunken ist und im März bei niedrigen 2,37 Millionen lag. Zugleich
ist die Zahl der Erwerbstätigen sukzessive gestiegen und befand sich auch im
März mit 41,5 Millionen noch immer auf einem rekordhohen Niveau. (1)
Tatsache ist aber auch, dass die atypische
Beschäftigung (Teilzeit, befristete und geringfügig Beschäftigte, Leiharbeiter)
von 2004 bis 2011 - mit Ausnahme eines geringfügigen Rückgangs im Krisenjahr
2009 - kontinu-ierlich gestiegen ist und zwar von 6,086 Millionen (2004)
auf 7,918 Millionen. Das entspricht einem Anstieg um 30,1 Prozent. (2)
Nach wie vor sehr hoch ist deswegen mit
7,43 Millionen (Stand Ende Sept. 2012) auch die Zahl der geringfügig
entlohnten Beschäftigten. (3) Auf die Zahl der Erwerbstätigen im September 2012
bezogen (41,8 Millionen) entspricht das einem Anteil von 17,8 Prozent
(sowohl das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) (4) als auch das Deutsche
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) (5) kommen in ihren Analysen für die
die vorangegangenen Jahre auf höhere Werte (zwischen 20 und 25 Prozent)).
Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Zahl der Erwerbstätigen
zwischen 2004 (Jahresdurchschnitt 39,04 Millionen) und 2012 (Jahresdurchschnitt
41,61 Millionen) zwar deutlich angestiegen ist, nämlich um 6,6 Prozent. (6)
(7) Die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten stieg zwischen September
2004 (6,57 Millionen) und September 2012 (7,43 Millionen) jedoch doppelt
so stark, nämlich um 13,2 Prozent. (8)